Wie Sie Amazon & Co jetzt mit der neuen Förderung ausstechen können

…und wieso Sie dazu keinen Online-Shop brauchen.
  • Der Autor
  • Robin Apel, Geschäftsführer
  • PF Performance Medien GmbH

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Inhaltsverzeichnis

Wenn das Wort Digitalisierung in Verbindung mit dem stationären Geschäft fällt, sehen die deutschen Einzelhändler ihre Felle schon davonschwimmen. Das merken wir als Digitalagentur, die sich für den Einzelhandel stark macht, am laufenden Band.

Nehmen wir ein aktuelles Beispiel: Das Land NRW hat einen riesigen Fördertopf geöffnet, um den stationären Einzelhandel zu unterstützen. Digitalisierungsprojekte im Einzelhandel werden mit bis zu 90% gefördert. Im Klartext heißt das:  Sie erhalten digitale Leistungen von bis zu 12.000 Euro, zahlen aber nur 1.200 Euro. Anträge können noch bis zum 15. September eingereicht werden.  Das ist eine einmalige Chance, die schnell genutzt werden muss, aber leider auch eine, die die meisten Einzelhändler eher abschreckt.

Ja, die Digitalisierung hat die wohl größte Herausforderung in der Geschichte des Einzelhandels mit sich gebracht.  Handelsriesen wie Amazon machen stationären Händlern das Leben schwer oder gar die Existenz zunichte. Das soll und darf an dieser Stelle gar nicht beschönigt werden. Aber die Angst vor der Online-Konkurrenz lähmt und sorgt außerdem dafür, dass Einzelhändler oft blind sind für das enorme Potenzial, das die Digitalisierung für Ihren eigenen Handel mit sich bringt.

Zugegeben: Die Angst der Einzelhändler ist verständlich. Immerhin sieht die Zukunft aus ihrer Brille düster aus. Die böse Digitalisierung schluckt den Handel, die Innenstädte werden zu Geisterstädten und die Einzelhändler, die sich keinen Online-Shop wie die „Großen“ leisten können, sitzen insolvent und von der Digitalisierung überrannt zuhause.

In diesem Horrorszenario liegt das wohl größte Missverständnis in der Beziehung „Einzelhandel & Digitalisierung“ vergraben. Versuchen wir einen Neustart.

Digitalisierung ist kein Synonym für Online-Shops.

Stellen Sie sich vor, der einzige Weg Ihren Handel zu digitalisieren und damit zu retten, wäre tatsächlich, dass Sie einen Online-Shop aufbauen. Was würden Sie alles dafür brauchen? 

Große Konkurrenz für kleine Online-Shops: Die Top 10 Online-Shops in Deutschland 2018. Quelle: statista.com

Da wäre einmal das umfangreiche Rechtswissen. Ein Online-Shop braucht schließlich wasserdichte AGB’s und DSGVO-konforme Prozesse. Dann müssten Sie sich Gedanken um die Warenwirtschaft und Logistikprozesse machen (Wohin mit der ganzen Ware? Wer verpackt und versendet sie? Wie sollen Bestellvorgänge ablaufen? Welche Schnittstellen werden genutzt?), über Rechnungs-und Bezahlsysteme, über Online Marketing und natürlich auch über Themen wie Conversion Optimierung. 

Ganz zu schweigen davon, dass Sie mit Ihrem Shop, sofern Sie Standardprodukte verkaufen und keine Manufaktur sind, in direkte Konkurrenz mit Online-Riesen wie Amazon treten, die mit Millionenbudgets und tausenden Mitarbeitern den Markt dominieren.

Tatsächlich ergibt es meist wenig Sinn, eine Förderung, wie beispielsweise die aktuelle Förderung von Digitalprojekten im Einzelhandel des Landes NRW, dafür zu nutzen, um Online-Shops aufzubauen oder digitale Kassensysteme zu installieren. Das wird Ihnen jeder kompetente Digitalpartner sagen. Schließlich haben Einzelhändler vor der Digitalisierung auch nicht versucht Ihren eigenen Otto Katalog zu produzieren und auf Versandhandel umzustellen. Auch hier war klar, dass die Konkurrenz einfach zu groß, stark und bekannt ist, um sie auf ihrem eigenen Gebiet zu schlagen.

Und was bringt dem kleinen Modegeschäft um die Ecke, das schon seit Jahren um das Überleben kämpft, ein digitales Kassensystem? Richtig. Nichts, außer zusätzliche Kosten. Immerhin ist ein digitales Kassensystem ein Tool, das hilft große Mengen von Kundendaten effizient zu verwalten.

Suchen Sie immer individuelle Lösungen. Was ist für Ihr Geschäft sinnvoll?  Nutzen Sie die Digitalisierung nicht, um Kunden zum Onlinekauf zu animieren oder um kostspielige Systeme zu installieren, die nicht zu Ihrem Betrieb passen.

Viel besser: Nutzen Sie das Internet, um Online Kunden zum Offline-Kauf zu animieren. Die Voraussetzung hierfür ist nicht, einen top Online-Shop zu haben. Nein. Die ersten Schritte in Richtung Digitalisierung sind sehr viel kleiner und vor allen Dingen kostenlos. Der Erfolg des Einzelhandels steht und fällt mit der eigenen digitalen Präsenz. Fakt ist, der Kunde sucht online. Mittlerweile beginnt für viele Menschen die Kundenreise im Internet.

Erklärung: Kundenreise
Die Kundenreise ist ganz einfach gesagt die Reise, die ein Kunde durchläuft, bevor er sich für den Kauf eines Produkts entscheidet, beziehungsweise in diesem Fall für einen Einkauf in Ihrem Einzelhandel.

Schaffen Sie daher Möglichkeiten von potenziellen Kunden wahrgenommen zu werden. Das ist gar nicht so anders als in der analogen Welt. Wenn Sie möchten, dass Kunden in Ihren Laden kommen, müssen Sie Passanten ideal ansprechen und sich von den Geschäften rechts und links abgrenzen. Mit modischen Schaufenstern, einem gepflegten Eingang, gut sichtbarer Beschilderung, freundlichem Personal, das für seine Beratungsqualitäten bekannt ist und am besten mit einer idealen 1A-Lage mitten in der Fußgängerzone. Im digitalen Raum ist das nicht anders. Auch hier müssen sich Einzelhändler so gut und präsent wie möglich positionieren, um wahrgenommen zu werden.

Kundenreise

Spielen wir anhand von Melanie M., 33 Jahre, Versicherungskauffrau, modebewusst und neu in der Stadt, einmal die digitale Kundenreise durch. Wie sie sein sollte, und wie sie auf keinen Fall sein sollte. Gehen wir zu diesem Zweck davon aus, dass Sie ein Modegeschäft für hochwertige Damenkleider mitten in der Fußgängerzone betreiben.

Google My Business

Die Reise beginnt…

Melanie M. fällt ein: Sie braucht unbedingt ein Abendkleid für das nächste Wochenende. Eigentlich shoppt Melanie in solchen Fällen öfter mal online. Aber jetzt, wo die Geschäfte in ihrer Stadt nach den Corona- Ladenschließungen endlich wieder geöffnet haben, möchte sie den lokalen Handel bewusst unterstützen. Also beginnt ihre Kundenreise zuhause, an ihrem Laptop. Melanie öffnet ihren Browser und sucht über die Google-Suche nach „Kleider“.

Das ist schlecht

Melanie kann Ihr Modegeschäft gar nicht oder erst auf Seite 2 in den Suchergebnissen finden. Damit ist die Entscheidung trotz guten Willens schon gelaufen. Aktuelle Statistiken belegen, dass 99,1% aller organischen Klicks auf Position 1 bis 10 entfallen. Danach sinkt die Klickwahrscheinlichkeit gewaltig. Außerdem dürfen wir nicht vergessen, wer die Platzhirsche auf Position 1-10 sind: Zalando, About You, Otto, Amazon und Co.
Sie glauben, hier haben Sie keine Chance? Das stimmt nicht. Es geht auch anders.

Das ist Gut